Kirche
Kirche | Kulturkirche Altona

Die Kulturkirche Altona - Ein Ort der Kultur und Begegnung

Die KulturKirche Altona gGmbH ist eine Gesellschaft, die als Förderer von Kunst und Kultur in Hamburg als "gemeinnützig" anerkannt wurde. Ihre Hauptaufgabe ist die Durchführung von Kulturveranstaltungen aller Art, wie z.B. Konzerte, Lesungen, Theater- und Filmaufführungen oder Poetry Slams. Daneben vermietet sie seit dem Ende der 90er Jahre als Kooperationspartner der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Altona-Ost das Gebäude der St. Johanniskirche für kulturelle und kommerzielle Anlässe - als seinerzeit eine der ersten Kulturkirchen Deutschlands. Die Kirchengemeinde ging mit diesem Konzept der dualen Nutzung seinerzeit völlig neue Wege.

Über die Vermietung werden Einnahmen erzielt, die zum Unterhalt des denkmalgeschützten Gebäudes beitragen und für die Gemeindearbeit sowie diakonische Projekte zur Verfügung stehen. Gleichzeitig können durch das Konzept auch kulturelle Veranstaltungen ermöglicht werden, die in der Kirche sonst nicht umsetzbar wären. Das Miteinander von Kirchengemeinde und KulturKirche Altona ist spannend und produktiv - seit schon fast 20 Jahren.

Die Kirche bleibt ein Ort des Gottesdienstes, von Kirchenmusik und Gemeindeveranstaltungen. Das prägt den Raum. Gleichzeitig zieht aber eine Welt in die Kirche ein, die sonst nur außerhalb erlebt werden könnte: Privatfeiern, Empfänge, Ausstellungen, Galaveranstaltungen etc. Beide Seiten gehen hierfür gern Kompromisse ein: Kommerzielle und kulturelle Veranstalter akzeptieren ein paar Regeln in der Kirche, die in anderen Räumen nicht üblich sind. Die Gemeinde akzeptiert im Gegenzug, dass sie Mitnutzer für die Kirche hat, die ihr auch nach der langen Zeit manchmal immer noch ungewöhnlich erscheinen.

Die Kulturkirche Altona ist ein Haus, das seine Geschichte nicht verschweigt und übertüncht. Schließlich und vor allem aber ein einladender, heller Raum, der sich öffnet für eine Welt, in der die christliche Kirche nicht länger auf Dominanz, sondern auf Austausch und Kreativität setzt.

Die Kulturkirche Altona - Ein Ort der Verbindung

Geschichte der Kirche

Mit ihrem weithin sichtbaren Turm wirkt die St. Johannis-Kirche seit fünf Generationen ebenso als Anziehungspunkt wie als Ausgangspunkt für Orientierung in Altona. Das gilt städtebaulich, aber auch kulturell und sozial.

Die markante neogotische Kirche wurde von dem damals erst 28jährigen Berliner Stadtplaner und Kirchenbaumeister Johannes Otzen (1839-1911) entworfen. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner hatte einen deutschlandweit ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden und errichtete ab 1868 an der heutigen Max-Brauer-Allee eine vierjochige Backsteinbasilika mit Querschiff in neogotischem Stil. Es war der erste Sakralbau von Johannes Otzen, der insgesamt 22 Kirchen schuf, darunter die Wiesbadener Ringkirche (1892-94), und als der vielleicht bedeutendste Kirchenbaumeister des späten 19. Jahrhunderts gilt.

1873 wurde St. Johannis eingeweiht. Die Strebepfeiler und Maßfenster an Lang- und Querhaus sind mit Form- und Glasursteinen gegliedert und lassen die Vorbildwirkung der norddeutschen Backsteingotik erkennen. Die Westfassade wird von dem mehr als 80 Meter hohen Turm überragt, der den ganzen Stadtteil prägt. Im Tympanon über dem Eingang ist eine Christusdarstellung zu sehen, die ebenso von dem Bildhauer Otto Rohloff stammt wie die Sandsteinskulpturen Moses und Johannes der Täufer am Portal. Die Erbauer wollten in einer sich rasch wandelnden Welt mit zunehmender Distanzierung zu kirchlichen Traditionen ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für Macht und Einfluss der Kirche und des preußischen Staates.

Mit ihren vielen, oft ausgenutzten Plätzen war die Kirche jahrzehntelang für viele Menschen in Altona ein Ort zentraler Lebenserfahrung und emotionaler Stärkung, hilfreich und heilsam. Gleichzeitig diente St. Johannis viele Jahrzente als Garnisionskirche für das in Altona stationierte Militär und während der Nazi-Zeit als eine Hochburg der Hitler-treuen Christen in Altona. 1925 wurde auf dem Vorplatz ein Kriegerdenkmal eingeweiht, das das Architekturbüro Esselmann & Gerntke als 8,5 Meter hohe Stele aus farbig glasierten Terrakotten gestaltet hat. Die Kriegerskulptur schuf der Bildhauer August Henneberger. Stilistisch ist dieses Werk dem Hamburger Backsteinexpressionismus zuzurechnen, inhaltlich diente es der Kriegsverherrlichung und dem nationalistischen Heldenkult. 1996 wurde das Monument durch ein Gegendenkmal ergänzt, das als studentisches Projekt der Fachhochschule Hamburg entstanden ist. Es besteht aus drei gläsernen Tafeln, auf denen der Künstler Rainer Tiedje leidende Menschen dargestellt hat, die den heroischen Gestus des ursprünglichen Denkmals konterkarieren.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche erhebliche Beschädigungen. Im Zuge der Reparaturarbeiten versuchte man, der Kirche ein neues Gesicht zu geben: Die neogotische Innenraumausstattung wurde 1956/57 zugunsten einer damals modern erscheinenden recht nüchternen Gestaltung aufgegeben. So wurde leider mehr zerstört als gewonnen. Dennoch blieb die Wirkung des Raums, dessen Wände in fein ausgearbeiteten Arkaden, Triforium und Obergaden nach gotischem Muster gegliedert sind, weitgehend erhalten.

Erhebliche Schäden durch eine Brandstiftung im Sommer 1994, vor allem im Bereich des Turms, machten zum Ende des vergangenen Jahrhunderts dann eine umfassende Sanierung und Renovierung nötig. Dabei wurde die Gemeinde unterstützt von der Hamburger Denkmalpflege und der ALH (Arbeit und Lernen Hamburg GmbH), einem bedeutenden sozialpolitischen Unternehmen, finanziert u.a. von der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales und von der Europäischen Union. Die gemeinsame Arbeit von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen bei dieser Sanierung war eine wunderbare und wichtige Erfahrung und gab entscheidende Denkanstöße für die bereits bestehenden Überlegungen zur neuen Kirchennutzung auch als Kulturkirche.

Die Beckerath-Kirchen-Orgel wurde durch den Brand ebenfalls völlig zerstört und musste komplett erneuert werden. Einige der zerstörten Orgelpfeifen können in einer Vitrine im Foyer der Kirche, neben der Eingangstür betrachtet werden. Für den Neubau entschied man sich für den Einbau eines Instrumentes, das es bisher in der norddeutschen Orgellandschaft nicht gab, eine Orgel der in Männedorf im Kanton Zürich ansässigen Firma Orgelbau Kuhn, die sich an der symphonischen Klangwelt französischer Prägung des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll (1811-1899) orientiert, einem der führenden Orgelbauer der Romantik. 1998 fertig gestellt, stellt dieses Instrument eine große Bereicherung für Hamburg und Umgebung dar - ein akustisches und optisches Schmuckstück.

Nach einem Jahrzehnt vielfältiger Bemühungen ist seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts das beeindruckende Ergebnis zu sehen: Eine neogotische Kirche, die eine wichtige Epoche des Kirchenbaus eindrücklich dokumentiert, als Denkmal anerkannt und ausgezeichnet. Gleichzeitig ein Haus, das seine Geschichte nicht verschweigt und übertüncht. Schließlich und vor allem ein einladender, heller Raum, mit lichtverstärkenden, beeindruckenden Fenstern, die von der international renommierten Künstlerin Prof. Eun Nim Ro gestaltet wurden. Ein Kirchenraum, nicht nur für das gemeindliche Leben genutzt, sondern einer, der sich darüber hinaus öffnet für viele Arten von kulturellen und kommerziellen Veranstaltungen und für eine Welt, in der die christliche Kirche nicht länger auf Dominanz, sondern auf Austausch und Kreativität setzt.

Die Kulturkirche Altona - Ein Ort der Kultur, der Begegnung und Verbindung.